wild ist relativ

Ich stehe auf wild. Bei Menschen und in der Natur. Auch in der Kombination. Wirklich definiert ist wild in Bezug auf Natur, da haben sich schon Viele Gedanken gemacht. Zum Beispiel die IUCN (Internationale Naturschutzorganisation der UNESCO).

wild1Sie sagt unter Wildnis werden Flächen verstanden, die ein ursprüngliches und nicht verändertes Gebiet umfassen, das diesen Charakter über eine ungestörte Lebensraumdynamik bewahren soll. Das Gebiet darf keine ständigen Siedlungen und sonstige Infrastrukturen aufweisen und sein Management darf ausschließlich dazu dienen, diesen ursprünglichen Charakter zu erhalten. Damit werden auch Eingriffe wegen wissenschaftlicher Forschungsarbeiten sowie eine touristische oder Erholungsnutzung ausgeschlossen.

Ich liebe diese nüchterne Definition und wende es mal kurz auf Menschen an…. verkürze auf… ursprünglichen Charakter… der ist selten, der ist besonders, der ist fast nicht existent und entfaltet eine besondere Anziehungskraft (auf mich). Mir ist klar: wild ist relativ und manche finden wild barbarisch und chaotisch. Ich nicht. Mir geht kultiviert auf die Nerven, wäre ich ein Mann würde ich sagen auf den Sack. Sorry.

Ich lebe in einer Kulturlandschaft. Das Siebengebirge ist schon seit der Römerzeit nicht mehr wild. Es gibt aber mittlerweile eine Naturwaldzelle und ein paar ungestörte FFH-Waldformationen (Flora-Fauna-Habitat), die kenne ich natürlich. Vor einigen Jahren ist eine Initiative gescheitert, das Siebengebirge zu einem Nationalpark zu machen. Die Menschen mit den gepflegten Gärten und einer trügerischen Zivilisation haben Angst vor der Wildnis, die sich ausbreiten könnte. Naturpark reicht doch. Wozu etwas wieder herstellen, was es seit Hunderten von Jahren schon nicht mehr gibt? Wer weiß wozu das führt. Womöglich kommen dann wieder Wölfe. Das wäre wirklich wild.

Flucht nach vorn

Die Tragödie von gekenterten Kriegsflüchtenden vor Augen muss die Heldin meiner Geschichte gestehen, dass sie erst ein einziges Mal in ihrem Leben wirklich geflohen ist – vor drohender Gewalt. Damals konnte sie entkommen. Eine ihrer Schwestern hatte dieses Glück nicht und ist nun tot. Seitdem gibt es nur für sie nur noch mentale Fluchten.

Beim Versuch, sie zu analysieren, kommt sie zu dem Ergebnis, dass diese Fluchten eher ein wirksamer Resistenzmechanismus gegenüber distanzverweigender Pathogene sind. Also gesunder Instinkt. Hypersensibilität. Spürsinn.

Ihre Art von auf Distanz gehen geschieht ganz bewusst auf einen kleinen Fingerzeig des Unbewussten. Sie vertraut darauf und in einer früheren Erdepoche wäre sie gut an die feindlichen äußeren Bedingungen angepasst gewesen.

Normalerweise flüchtet sie nicht aus unangenehmen Situationen, sondern stellt sich ihnen. Aber nur, wenn sie annimmt, dass sie sie in Richtung angenehme Situation verändern kann. Dafür ist sie zu großem Einsatz bereit. Der kann schon mal selbstzerstörerisch sein, weil sie im Vorfeld nicht alle Verhaltenskomponenten vorausberechnen kann. Vor allem nicht die von anderen. Unvorhergesehene Reaktionen treffen sie dann wie ein Schlag.

Die Flucht aus einem Gefängnis oder einer gewalttätigen Beziehung ist für sie unmittelbar nachvollziehbar, denn die persönliche Freiheit wiegt mehr als alles andere. Die gefühlte Freiheit. Über die objektive Freiheit erlaubt sie sich keine endgültige Meinung. Meistens haben die, die die Freiheit suchen, ihre uneingeschränkte Sympathie, egal was sie vorher angestellt haben. Auf dem Weg in die Freiheit ist sie ihre Komplizin, sie schmiedet entweder mit ihnen einen Plan oder sie tritt zur Seite, damit sie rennen können.