Thanx Al

Sisters

Ich glaube, Albert Einstein war ein Zeitreisender. Wie sonst hätte er alles schon vor hundert Jahren wissen können, was jetzt erst ans Licht kommt?

Mit Lichtgeschwindigkeit?

Sehr witzig. Aber du hast Recht. Es geht um Gravitationswellen, die lichtschnell durch den Raum rasen.

Gravitationswellen? Okay. So what´s the message?

Na ja, ich glaube da passiert im Großen was wir sonst im Kleinen spüren. Diese Bewegung, die unser Blut manchmal in Wallung bringt. Ich habe mich schon oft gefragt, wo die eigentlich herkommt.

Von den Gefühlen? Die bewegen mich unentwegt. Manchmal hauen sie mich auch um. Wie die Brandung nach einem Sturm. Empörung. Eifersucht. Ärger. Alles große Wellen.

Ja und die sind wie kleine Atmosphären von Miniplaneten, die um irgendwelche Sonnen kreisen.

Sie kreisen?

Ja klar. Sie kreisen und kollidieren und dann kotzen sie.

Sie kotzen?

Die Kotzbrocken kreisen wie Asteroidengürtel um den Saturn.

Wir schweifen ab.

Stimmt. Wie Sternschnuppen.

Also Albert Einstein ist ein Zeitgenosse. Kennen wir einen Albert?

Nö, nur Al, der ist Barkeeper in der Cosmic Bar.

Gutes Stichwort. Lass uns auf einen Drink ausgehen.

Hey Al, hast du schon von diesen Grave-Wellen gehört?

Ja natürlich! Was für eine Frage! Ich habe schon einen neuen Cosmic-Drink komponiert. Er heißt BHC … Black Hole Collision.

Uiii, den wollen wir. Wir kollidieren bis wir kollabieren!!

Das klingt anstrengend, der Drink ist aber gut. Ein mehrdimensionales Geschmacksereignis.

Mindestens vier Dimensionen. Meine Dedektoren drehen durch. Al, was ist dein Geheimnis?

Ich kann Atmosphären kreieren. Ein Drink ist in der Lage, gute Stimmung zu machen. Das ist ziemlich simpel – nicht nur durch den Alkohol, sondern durch die perfekte Komposition aller Zutaten. Es geht nicht nur um Geschmack, es geht auch um Geruch, um die Farben, die Erinnerung , die Assoziationen, die Fantasie und um die Haltung, diesen Drink zu genießen, um die Garderobe und wie ihr auf den Hockern Platz genommen habt, wie der Drink zu eurer Garderobe und dem ganzen Schnick Schnack an euch dran, also den Accessoires harmoniert und dann die Temperatur und das Prickeln, das Klirren des Eiscrunch im Kristall und das leise Knacken, wenn sie schmelzen, die Feuchtigkeit auf den Fingerspitzen und das Perlen des Kondenswassers am Glas, der Zucker am Glasrand und sein süßer Nebengeschmack, ein wenig Salz ist auch dabei und verwirrt die Sinne, denn sie vermischen sich mit dem Sound der Musik, die ich zu diesem Drink spiele und sie findet eine Resonanz auf eurer wunderbaren Haut und das Licht reflektiert in euren Augen, spiegelt sich auf der Oberfläche und dringt dann ins Innere, wo es euch zart berührt.

WOW. Al, ich bin beeindruckt. Ich nehme noch einen.

Ich auch. Cheers.

kr kr kreativ

kreativ

Stotterst du nun, fragt Anna. Neee. Dieses kratzige Wort macht es mir nicht leicht. Es hört sich an wie das Gegenteil von dem wie es sich anfühlt. Kreativität als Bedürfnis einzuordnen ist ein weiterer Schritt auf meiner Identitätstreppe.

Du hast eine Identitätstreppe? Und? Gehst du hoch oder runter? Ist das so was wie die Karriereleiter? Gläserne Decke und so?

Selten hat Anna so viele Fragen. Es ist das glatte Gegenteil von Karriere. Die Treppe ist aus Luft. Karrieristen sehen sie nicht. Kreativität ist leicht, unsichtbar und manchmal so dick wie ein Fesselballon. Bläht sich in mir auf und verdrängt alles andere. Will ein Wort sein und zwar ein ganz bestimmtes. Ich suche es , forsche danach, rolle es auf der Zunge und wiege seine Leichtigkeit. Der Gedanke wird flüssig und fließt in den Bauch. Dort wird er wahr. Wenn der Bauch sich bläht vor Freude.

Dann steige ich auf. Verlasse die Gesetze der Schwerkraft und fliege. Aus dem Wort wird ein Satz und die Idee zieht mit einer Wolke wie ein Tropfen Regen. Jeden Moment kann er fallen. Auf fruchtbaren oder unfruchtbaren Boden. In die Wüste. Ins Meer. Auf einen Schrottplatz. Dort rostet er fest. Wenn ich Pech habe.

Anna lacht. Gefällt mir, sagt sie. Du hast aber kein Pech, du hast Glück. Ich kenne dieses Bedürfnis nicht. Ich kenne nur die anderen sex, äh sechs. Hihi. Bin aber trotzdem irgendwie ganz.

Klar bist du das, Anna. Du bist wunderbar. Mehr braucht es nicht. Meine Kreativität ist wie ein zusätzliches Hungergefühl, eine Kalorienbombe, ein Dickmacher, eine Fettsucht. Öl, das auf Wasser schwimmt. Das sich regenbogenfarben breit macht. Ich sehe sie nur von innen.

Ich sehe sie von außen, sagt Anna. Sie ist ein Geschenk. Eine zusätzliche Dimension, eine Facette, ein Detail, das du polieren kannst. Lass es zu.

Annas Imperativ stärkt meinen Impuls. Sie sieht die wilde Intuition, die manche in die Irre führt. Anna nimmt die Federn als Boa auf und windet sie um ihre Schultern. Blinkt mit den Lidern, senkt sie einladend ab.

Jetzt ein Drink aus Holunderblütensirup, Zitrone und Quellwasser – auf die Kreativität und das was sie auslöst. Was wäre sie ohne das andere. Danke Anna.

Wolkenwelle

Mein Kopf ist in den Wolken, mein Gehirn kann nix mehr sehen. Diesen Dunst mag es nicht, es nörgelt wie ein Dreijähriger, zieht und zupft an mir, will hoch, dann wieder runter, drängelt und drückt. Es schreit mir die Ohren voll, nimmt sich so wichtig, aber ich schalte einfach ab. Drifte in eine andere Dimension oder so.

Ein wenig liegt es an der Lektüre, ich lese ein Sternenbuch das sich Verführer nennt. Dort steht als Widmung drin: Für Fabian. Ich denke immer an dich. Das ist eindeutig eine Liebeserklärung an Fabian, den ich nicht kenne, den ich aber beneide weil er den kennt der das Buch geschrieben hat also den Autor Florian Freistetter  und dessen Liebe steckt in jedem kleinen Satz und auch zwischen den Zeilen, einfach überall. Er liebt nicht nur Fabian sondern auch die Sterne und das Universum. In dem Buch erklärt er auf liebenswerte Weise, wie das Weltall unsere kleine Welt bestimmt.

Ein bisschen liegt es an meinem umwerfenden Blick nach Westen, wo sich jeden Abend wahre Wunder am Himmel ins Zeug werfen und heute übertreffen wollen was gestern schon gigantisch war.

Den größten Grund weiß ich nicht. Ahne ihn, lasse das Denkvermögen aber schön unter der Decke. Laufe lieber umwölkt durch den Tag, schnappe mir einzelne klare Gedanken, damit keiner merkt was für ein Schaf ich wieder bin. Mein Gehirn ist völlig allein. Mein ganzes Ich-System hat sich von ihm abgekoppelt, um sich in die weiche Wölbung der Wolken zu schmiegen. Warme Wellen aus dem Weltraum spülen Sternschnuppen an. Im Buch heißen sie Asteroide und einer von ihnen hat vor Millionen Jahren das Gold in die Erde katapultiert als er mit ihr zusammenstieß. Unser Gold ist außerirdisch. Glanz aus fernen Galaxien. Großartig.

In meinem Wolkengebilde finde ich alles großartig. Auch die Nachrichten aus den Nachrichten. Diesen Rest an Aufmerksamkeit schiebt mein Gehirn mit Gewalt vor meine Augen. Ich schaue raus, dort geht golden die Sonne unter. Lächel.

Augenblick App

Neulich sagte eine Frau in einem Vortrag ihr Talent sei es den richtigen Moment zu erkennen. Damit hat sie mächtig Eindruck gemacht, das Publikum lag ihr zu Füßen. Den exakten Zeitpunkt zu erwischen ist mit das Schwierigste was es gibt. Manche Menschen können das als hätten sie einen Sensor dafür, ich finde die sollten eine App entwickeln damit andere das auch können. Ich liste meine Pläne nach Priorität und mein Mobiltelefon würde diskret summen, wenn der Augenblick gekommen ist an dem ich dieses oder jenes sage oder das eine oder andere tue. Es ist nicht so dass ich grundsätzlich im falschen Moment agiere. Ich kann nur kein System erkennen oder ein Gespür entwickeln für diese zeitliche Dimension.

ImageAnsonsten bin ich im Zeitmanagement akribisch, perfekt sozialisiert in sekundärer Tugend. Peinlich ist das wie ich vor allen Terminen noch kurz Zeit habe mir schnell den Staub von den Schuhen zu wischen, die Hände zu waschen und den Lippenstift nachzuziehen. Dabei ist das alles gar nicht wichtig für mich. Ich schaffe es nur einfach nicht zu spät zu kommen. Schon früher in der Schule waren die Coolen immer die Letzten. Aber die Letzte sein will ich auch nicht. Gibt es denn keinen Mittelweg? Ich hasse Mittelweg. Ich brauche diese App. Dringend.