Kein Känguru

Mein Gehirn hat die Hüpferei satt. Vom ständigen auf und ab auf dem Trampolin hat es genug. Es ist davon überzeugt, dass seine Kognitionsleistung rapide abnimmt, wenn das so weitergeht. Mein wahres Ich ist kein Känguru, das hat es nun verstanden. (Habe ich ja gleich gesagt.)

turtleNoch hat es mir keine neue Identifikationsoption angeboten, es grübelt noch. Mir persönlich gefallen die Sprünge, einmal gelingt mir sogar ein ganz großer und ich finde Geschmack daran hoch hinaus zu wollen. Bevor ich vom Sprunggerät wieder in den Wald wechsle, werde ich die Metaphorik rund ums Känguru noch eine Weile strapazieren, weil mein Muskeltonus darauf abgestimmt ist. Ich könnte wetten, dass mein Gehirn nun nach einem behäbigen und sehr ruhigen Tier fahndet, das es mir als wahres Ich anbietet. Vielleicht ein Koalabär oder eine Schildkröte. Allzu still darf es nicht sein, denn dann wären die Konflikte mit meiner bewegungsaktiven Körpernatur vorprogrammiert. Aber warum mache ich mir hier einen Kopf. Ich habe nichts zu kamellen.

 

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zum Teufel

Eine Frau tritt an mich heran und sagt hallo ich bin die Desillusionistin. Was will die? Kommt einfach herein. Ich habe noch nie vorher von ihr gehört. Ich frage sie ob sie verhandelt. Sie zögert. Kommt darauf an. Worauf. Ob du etwas in die Waagschale wirfst das mich interessiert. Was interessiert dich denn frage ich. Du hast ein Herz das du gerne wieder los werden willst, stimmt`s? Woher weiß sie von dem Herz. Ich nicke. Eigentlich will ich das Herz der richtigen Person geben, der einen. Nicht der hier. Ich versuche es mit Diplomatie. Scher dich zum Teufel sage ich zu ihr. Sie lächelt. Du brauchst das Herz nicht mehr, mach dir doch keine Illusionen. Das muss ihr Standardsatz sein. Ziemlich abgedroschen. Ich versuche es mit Arroganz und ziehe eine Augenbraue in die Höhe. Ich behalte das Herz, sage ich, sonst noch was? Jetzt wird sie ernst. Okay, aber ich komme wieder, verlasse dich darauf. Dann geht sie.

 

It-brain

Imageuni oder no sex? Eine gute Entscheidung, dem Gehirn kein männliches oder weibliches grammatikalisches Geschlecht zu geben (wer auch immer sie getroffen hat). Es bleibt es. Genauso das Herz und das Blut. Alle anderen lebenswichtigen Organe sind weiblich oder männlich, jedenfalls in deutsch. Ein wenig ärgert sich mein Gehirn schon darüber, denn es ist eine Diva und fast ausschließlich mit sich selbst und seiner Selbstdarstellung beschäftigt ohne irgendwie mit seiner geschlechtlichen Identität in Konflikt zu geraten. Es denkt wahrscheinlich genauso wie ich von sich selbst in der Ich-Form und kümmert sich nicht um Zuschreibungen von außen. Wenn es mich provozieren will füttert es mich mit stereotypen Stammtischsprüchen. Vielleicht sind das auch nur Tests, ob ich an meinen Mustervorlagen festhalte oder ob mal wieder ein intellektuelles Update fällig ist. Ich glaube es liebt diese Ausflüge in sein chaotisches Archiv und dort jedes Mal etwas zu verändern, so dass nichts ist wie es vorher war.