Weißer Mohn

ImageTauche heute mit Wucht in die Vergangenheit. Hineingezogen von Pflanzen. Das ist nicht verwunderlich, denn ich habe mich lange in seltenen Pflanzengesellschaften herumgetrieben. Über sie geschrieben. Sie studiert und bewundert. Fotografiert und von ihnen geträumt. Viele Jahre der Hingabe an Pflanzen. Sie fehlen mir. Ihre wunderbaren lateinischen Namen und meine Interpretation derselben. Meine Gefährten. Ich habe mich verabschiedet. Und heute haben sie mich eingeholt. Im Botanischen Garten. Paradies. Zuflucht. Oase.

Botanische Gärten sind voller Hingabe. Alle Pflanzen geben das Beste. Sie wachsen und blühen in wundersame Höhen. Nicken sich zu. Winden sich in der Brise. Zittern vor Aufregung. So wie ich. Soll ich die Tür wieder öffnen? Ich vermisse sie sehr. Dachte ich hätte zugesperrt, aber weit gefehlt. Kein Riegel. Kein Schloss. Durch das Schlüsselloch sickert Verheißung. Abenteuer. Exotische neue Gesichter. Ich muss nur mich selbst überzeugen. Das kann doch nicht so schwer sein. Komm. Gib mir einen Ruck. Schlage ein neues Pflanzenkapitel auf. Schon der Gedanke fühlt sich gut an. Also.

 

Organische Abstraktion

füttern verboten

 

 

 

 

 

 

 

 

Gestern bei einem gewaltigen Gewitter haben bei mir Augenmark und Rückenmerk die Position gewechselt. Es gab diesen Blitzruck, kennt ihr vielleicht, und plötzlich ist alles anders als vorher. So stelle ich mir eine Erkenntnis vor, wenn es dir wie Schuppen von den Augen fällt.

Ich habe aber (leider) keine Erkenntnis gewonnen, sondern eine Abstraktion. Das ist gewiss nicht der Hauptgewinn, eher ein Trostpreis, ein billig in Südostasien illegal von Kinderhänden fabriziertes Plastikteil. Ich empfinde es wenn ich ehrlich bin sogar als Strafe für etwas das ich nicht getan habe. Ich war`s nicht.

Dennoch muss ich jetzt dieses hässliche Augenmark tragen, es sieht aus als hätte ich mir Tubentomaten hinter die Lider geschmiert. Seine intelligente Primärfunktion hat es verloren, denn als Augenmark hat es nun die Merkrolle. Immerhin darf es noch entscheiden, was vom Auge der Betrachterin als Wesentlich erachtet wird. Mehr nicht.

Ob das Rückenmerk seine komplexe Aufgabe meistert bezweifle ich. Das ist noch voll im Merk- und nicht im Markmodus. Mann bin ich heute konfus drauf. Die Signale an das Gehirn werden vom Rückenmerk einfach abstrahiert und was kommt dabei heraus? Würstchen mit Kartoffelsalat als Antwort auf mein Hungergefühl. Ich esse seit Jahren vegan und das Spiel ist erst morgen.

Solange dieser Zustand anhält werde ich mir mit Ikons behelfen – einfache, auf das Wesentliche reduzierte Symbole ohne Verwechslungsgefahr. Draußen höre ich Donner. Ein neues Gewitter zieht auf. Das könnte die Lösung sein.