Schneeeule

Seit längerem lese ich den Blog von piksyn, Jana Pikora aus Hamburg, ihresgleichen Synästhetikerin, die ihre Wahrnehmungen auf Feinste zu beschreiben weiß und dabei auch neue Wörter, also Sprache schafft. Es lohnt sich, einmal in ihren Blog hineinzulesen, das ist wie hineinschweben in eine unbekannte Farb- und Phänomenwelt.

Der synästhetische Blick auf meinen Namen

Das 4. Mal hat piksyn nun eine Namens-Aktionswoche angeboten: Das heißt, ich schicke ihr meinen Wunsch, nämlich meinen Namen mit ihren Augen zu sehen und zu beschreiben und wie eine gute Fee erfüllt sie diesen Wunsch.

Hier das Ergebnis (Zitat):

SchneeeulePeggi ist ein weißhellblauer Name. Ein schwarzer Bubikopf umwickelt das P – und das doppelte „g“ ist ein Gesicht mit zwei eulenfreundlichen Augen. Peggi ist eines jener Wörter, die Schnee im Mund erzeugen, wenn ich den Namen einige Male hintereinander flüstere. Peggipeggipeggipeggi. Das „i“ hat einen kleinen Kerzenlichtschein um den Punkt herum.

Das ist bezaubernd. Vor meinen geistigen Auge plustert sich eine Schneeeule auf, mit 4(!) e im Namen, ziemlich abgedreht. Meine bisherige selfmade Tier-Assoziation ist ja eher ein im Schnee scharrendes Schaf als eine vom Boden abgehobene Kreatur. Das neue Bild brennt sich gerade in mein Gehirn und macht mächtig Wind für genügend Platz. Könnte ein Schneesturm werden. Macht aber nichts, da ist ja noch der Kerzenschein.

Außerdem beschrieben: Alexander, Runa, Mascha, Katharina, Tine, Donate, Marja und Petra.

All diese Namen sollten einmal zusammen in die Sommerfrische fahren. Dort könnten sie die äußerst mondänen Wörter Plauderton und Moralapostel treffen und mit ihnen zusammen Monaco unsicher machen.” 

Schöne Vorstellung. Danke Jana.

Es steht in den Sternen

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In den Sternen steht nichts. Trotzdem lösen sie bei mir pure Begeisterung aus. Bin ich vor einigen Monaten noch wegen Merkur ausgeflippt, den ich für den Bruchteil eines Moments am Abendhimmel flimmern sah, so sind es jetzt gleich zwei: Jupiter und Venus.

Ich weiß, es sind Planeten unseres eigenen Sonnensystems, keine Sterne. Aber Venus wird ja  im Allgemeinen als Abend- oder Morgenstern bezeichnet, je nachdem, wo sie gerade steht bzw. wo wir gerade stehen. Also stehen tun wir alle nicht. Wir bewegen uns mit dieser Affengeschwindigkeit erst einmal um unsere eigene Achse, dann rasen wir mit zigtausend km/h um die Sonne und driften mit dem Universum, das sich schneller als das Licht ausdehnt, unbemerkt mit. Drei Geschwindigkeitsebenen, das ist kaum vorstellbar. Ich gehe jetzt von der physikalischen Betrachtung weg, das bringt ja nichts, vor allem nix in Sachen Romantik, wo ich eigentlich hin will.

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Seit einer Weile blinken Venus und Jupiter am östlichen Himmel kurz bevor die Morgendämmerung anbricht. Und heute Morgen waren sie so nah wie sie nur alle 15 Jahre sind – und: ich habe sie gesehen!! Als hätte mich ein silberner Strahl aus der Wärme meiner Schlafstatt gezogen, stehe ich zitternd vor Kälte und glücklich wie ein Kind auf meiner Aussichtsterrasse. Mein Schlafgefährte folgt mir schüchtern und legt mir eine Decke um die Schultern, mit den Sternen kennt er sich nicht aus. Ich zeige und flüstere. Ich montiere das Fernglas auf das Stativ. Ich hole tief Luft, denn ich weiß es wird mir die Sprache verschlagen. Da sind sie: Jupiter riesengroß mit seinen vier größten Monden als winzige Lichtpunkte, daneben Venus in leuchtender Pracht. Sind sie nicht wundervoll.

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Ich habe mir schon oft überlegt, warum ich den Blick nicht vom Himmel wenden kann, wenn die Sterne leuchten, so ganz erschließt sich mir das nicht. Eine Nacht gemeinsam unter freiem Himmel ist das Größte für mich. Es fühlt sich an als wäre ich selbst eine von denen die da durch den Raum schweben. Warum also wissen wollen wieso. Es wäre genauso wenig wichtig, wie die Größen der Geschwindigkeit die ich mir nicht merken kann, Datenkram halt. Für die Gefühle völlig irrelevant.

(Auf den Fotos sind nur Wolken. Für Aufnahmen von Venus und Jupiter habe ich nicht das geeignete Equipment, daher hier noch ein kleines 6 sec-VineVideo vom Lick Observatory)

ha ha ha!

ImageGelächter entspannt, das ist bekannt. Nicht nur die Gesichts- und Bauchmuskulatur, auch das Gehirn. Ich lache mich tot.

Während das geschieht, ist die Kurve auf dem Monitor schon fast waagrecht. Mein Körper und alle, die drumherumstehen, schütteln sich vor Vergnügen, schließlich ist es ansteckend und findet unter günstigen Umständen immer neue Nahrung. Eine Lawine aus Heiterkeit. Ein wenig peinlich, zugegeben. Wie die Herde Zebras in Madagaskar I.

Von der fortlaufenden Rückkoppelung lösen sich Ursache und Wirkung völlig auf. Doch die Physik der Wellen bedingt ein Abflauen und in der Phase des Wieder zur Ruhe Kommens breitet sich ein glückliches Grinsen auf den Gesichtern aus, auch auf meinem.

Gleich sind wir alle wieder mehrdimensional hochkomplexe und nichtlineare Denkwesen, die sich etwas auf ihre Bildung einbilden, dabei haben wir noch nicht einmal damit angefangen, die mittlere Organisationsebene der Informationsverarbeitung zu verstehen. Aber der Witz muss schon gut sein, oder.