Vakuum

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Im Traum umarme ich eine Seele. Als würde sich meine Aura über ein zartes Gebilde legen, sanft, behutsam, leise. Wie zwei Luftschichten mit wenig Temperaturunterschied schweben sie aufeinander, verwirbeln an einigen Stellen und lösen sich wieder. Ein Universum an Gefühlen, Ganzheit.

Später, wieder wach, bleibt dieses Lächeln in meinem Gesicht. Obwohl der Schlaf in dieser Nacht das Gegenteil von dem war was er sonst ist – ein Energieaufwand ohnegleichen. Meine Reserven sind leer und wäre ich ein Aku leuchtete mein Alarm. Ich versuche mit Kaffee und Kakao den Tag zu überstehen, denke an diese Seele und an das Rätsel der Vollkommenheit. Ich kann mir keinen Reim darauf machen. Ratio bringt hier nix.

Könnte es als Geschenk meines Unterbewusstseins verbuchen, will aber dieses Wesen nicht mit irdischem Buchhalterschnickschnack abhaken.

Könnte auch daran liegen, dass ich wieder in die Sterne sehe und die Schnuppen zähle. Gestern Nacht am östlichen Himmel, als ich von der Umarmung so überwältigt war, dass mein Körper ins Freie flüchtete.

Oder vielleicht ist es was immer da ist und nur manchmal in seltenen Momenten zu mir durchdringt, meistens im Schlaf wenn unser wacher Geist sein Schild gesenkt hält. Die Wahrheit, die Erkenntnis, die Erleuchtung, flüchtig wie ein Gas, ein Hauch von einem Wind, eine Ahnung.

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Meine Umarmung der Seele war als würde ich selbst umschlungen. Gefangen im Nachspüren vibriert meine Haut.

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Hirngespinst

Was für eine dumme Idee. Die Abwertung einer Fantasie tut körperlich weh, brennt sich in die Rinde ein. Die zurückgewiesenen, belächelten und abgeschmetterten Gedanken speichert das Gehirn als Gespinste. Sie sind zart, zerbrechlich und dennoch unzerstörbar, denn sie sind Schläferinnen wie die in Agentenfilmen eingeschleusten Spione, die erst aktiviert werden, wenn es wirklich wichtig wird. Mit wenig Energie erhält sich das filigrane System am Leben, spielt ab und zu einige Kombinationen durch, schleust sich regelmäßig durch alle Updates und bleibt so auf dem neuesten Stand. Manche nennen es auch Flausen im Kopf. Mütter tun das oder taten das früher, auch Väter. Das Vokabular ist nicht mehr verbreitet, vielleicht sagen sie heute mein Kind spinnt. Das ist lieb gemeint. Mütter meinen ja alles nicht so wie sie es sagen aber warum glauben sie dass ihre Intention auch ankommt ohne dass sie sie zum Ausdruck bringen? In Wirklichkeit ärgern sie sich, dass sie keinen Zugang zu dieser eigenen kleinen Synapsenwelt in ihrem Kind haben und dass ihnen seine unschuldigen Augen auch weiterhin jeden Zugang verweigern werden. Gespinste sind freundliche Wesen, sie halten zusammen.

 

Entdeckung I

Im Kampf um das knappe Gut der Aufmerksamkeit hat mein Gehirn eine Strategie entwickelt wie es mich fesseln kann. Es beantwortet meine tägliche Frage „wer bin ich?“ auf viele verschiedene Arten und schickt mir die albernsten Figuren in meine Träume, die behaupten, sie wären mein wahres Ich. Zuletzt war das ein blaues Schaf, zurzeit ist es ein Känguru.

Es scheint eine Vorliebe für Tieranalogien zu haben, denn ich war noch nie ein Stück Birkenrinde oder ein Feigenbaum, obwohl mich Pflanzen grundsätzlich eher mehr interessieren als Tiere. Ich weiß auch mehr über die Flora, doch von diesem Wissen will mein Gehirn nichts wissen, es stellt lediglich den Speicherplatz dafür zur Verfügung. Den Gedanken, dass das wer ich bin, vielleicht gar nicht im üblichen gegenständlichen Sinn abgebildet werden kann, ignoriert es genauso. Ich glaube es mag Tiere. Und ich schätze seine Bemühungen, mir etwas Passendes auszusuchen, ein Tier, mit dem ich mich anfreunden kann. Das ich lieb gewinnen kann.

Da muss eine Belohnung mit im Spiel sein, denn ohne Preis strengt sich mein Gehirn normalerweise nicht so an. Vielleicht denkt es, dies ist eine Art Enthüllungsstory, tataaa! Hier, das bist du und ICH habe dich entdeckt. Solche Entdeckungen bringen Prozesse in Gang, Synapsenwirbel, Wendepunkte. Darauf muss es scharf sein.

Meine Versuche seine Vorschläge zu akzeptieren amüsieren es bestimmt, ich meine das ganz ernst. Sonst würde ich im Moment nicht wie wild auf dem Trampolin herumspringen, wenn an dem Känguruvorschlag nicht irgendetwas dran sein könnte. Trotzdem finde ich es sehr schwer, mich in das Wesen eines Kängurus hineinzudenken, außer dem Hüpfen fällt mir da nichts ein. Dass damit angenehme Nebeneffekte verbunden sind wie dieser kurze Augenblick der Schwerelosigkeit reicht aber fürs Erste. Mehr will ich gar nicht.