Weißer Reiher

Eine kleine weiße Regung auf einer großen grünen Wiese – so nehme ich den Reiher wahr. Im Vorbeifahren hellt er mein Blickfeld auf. Und mein Gemüt, denn mein Gehirn schickt mir Glück. Das Gefieder findet sein Gefallen, weil das Weiße ist positiv programmiert. Schnee und Schwan. Weiße Wäsche, Federwolken.

Dass der Vogel ein Reiher ist, weiß ich nur, weil ich ihn jetzt schon mehrere Male gesehen habe. Kein Storch oder so. Er ist nicht immer auf dieser Wiese. Hier am Fluss gibt es viele Wiesen. Ich stiere auf seinen einbeinigen Stand und warte, dass er sich bewegt. Er regt sich nicht. Ich dagegen bewege mich schnell an ihm vorbei, fahre auf der Straße und schaue wie alle anderen auf den weißen Fleck.

Vielleicht macht sich jemand einen Spaß. Stellt einen Plastikreiher ins Gras, versteckt sich hinter den Bäumen und feixt. Bauscht eine flüchtige Erfahrung zu einer Geschichte wie dieser auf. Zwingt den Reiher in meine Gedanken und in meine Träume.

Im Traum sagt der Reiher: „Hey, schreib was Nettes über mich.“ Was soll ich schreiben, ich weiß nichts über Reiher. Ich glaube, wenn er da in der Wiese steht, wartet er auf Spezifisches. Das Spezifische manifestiert sich in Fröschen und Kröten. „Da haben wir etwas gemeinsam“, meint der Reiher. Stimmt, denke ich, auch ich warte auf Kröten. Er steht den ganzen Tag auf einem Bein. Ich reiße mir ein Bein aus.

Der Reiher sagt: „Willst du irgendwas erringen, lern vom Reiher mancherlei, und Geduld vor allen Dingen, bestens dir empfohlen sei.“* Der Reiher geht mir auf die Nerven. Gedichte mit Geduld drin kann ich nicht leiden. Weiß der Geier wie der Reiher mit dieser Eigenschaft gedeiht. Fängt er so eine Echse? Legt ein Ei oder zwei? Bringt wilde Reiherkinder zum Schweigen? Mit Geduld?

Der weiße Reiher bewegt sich nicht. Kein Wind weht durch sein Kleid. Stoisch nimmt er zur Kenntnis, dass ich nix Nettes über ihn schreibe, sondern an seiner Weisheit zweifle. Beziehungsweise, dass seine Weisheit nicht meine ist. Muss ja auch nicht, denkt er wahrscheinlich.

*aus: Der Reiher, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

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wir drei

wirdrei

Elegant wie die Echse sich nicht bewegt. Verwegen wirkt sie. Anna blickt sie neidisch an. Eine Haut wie eine Tasche mit winzigen rosagrünen Applikationen. Wir müssen mindestens zweimal hinschauen um die wunderbare Arbeit äh das mondäne Muster wahrzunehmen. Sie ist so starr dass unsere beiden Gehirne an ihrer Echtheit zweifeln, sie flüstern uns parallel ein hey Mädels die Echse ist nicht echt. Der Witzbold von Parkwächter hat eine Plastikfigur in die Blätter gestellt um uns zu foppen. Wahrscheinlich wartet er nur darauf dass wir sie anfassen dann wankt er wie ein Wahnsinniger durch den künstlichen Dschungel und enthüllt seine getigerte Wäsche. Gerade als wir uns amüsiert zublinzeln wollen blinzelt die Echse. Eine waschechte Wasseragame. Wunderschön.

Meinst du ich kann sie anfassen. Mit ihren fleischig lackierten Fingernägeln nähert sich Anna den Stacheln des Tiers. Sie ist immer die Mutigere. Will den Leuten jetzt der Echse ans Innere. Die zeigt uns ihre rosa Zunge in ihrem rosa Maul, oh so zart und zerbrechlich, so zärtlich und zäh zugleich. Macht einfach den Mund auf. Anna ist mächtig stolz, ich eher andächtig. Wir wissen beide nicht was wir tun. Was will sie flüstert sie. Wer weiß das schon bei einem Monster, meistens ist es marode und menschlich nicht nachvollziehbar. Anna zieht eine winzige silberne Trinkflasche aus ihrer Tasche, ich einige Apfelstückchen. Ein Schluck ein Trick. Trester und tolle Erlebnisse die nachher als Traum durchgehen. Wir füttern das Vieh. Süß spritzt der Saft und die Säure. Wir drei. Sitzen hier in der Hitze.

 

Die Zeit ist reif

Wenn die Zeit reif ist fällt sie herab wie ein fauler Apfel. Der Matsch zu deinen Füßen ist die Vergangenheit. Lies daraus die Zukunft. Ein Muster wie Sternanis bedeutet dann vielleicht es stehen dir viele Möglichkeiten offen nutze sie. Ein Kloß in der Form von Kartoffelbrei heißt Schluss mit der Schleicherei und eine Kaskade Pferdeäpfel lass den Scheiß endlich hinter dir. Dieser winzige Moment Gegenwart. Er muss entscheiden. Geistesgegenwärtig. Dein Gehirn stellt dir ein Repertoire an Größenwahn zur Verfügung. Dann guckt es zu wie du dich abstrampelst. Es kichert und gluckst. Stellt sich hinter seine Rinde und glotzt durch ein Loch. Gespannt wie ein Bogen wartet es auf deine Entscheidung. Kein multiple Choice sondern komplizierte Kombinatorik.

diezeitistreifZögerst du zu lange schickt es das Chamäleon. Mit seiner klebrigen Zunge schnappt es dir die guten Ideen weg, eine nach der anderen. Bis Zweifel dich plagen ob die Zeit auch wirklich reif ist. Lieber noch ein bisschen warten. Sicher ist sicher. Der Matsch zieht die Fliegen an. Langsam wird es eklig. Mach doch was!