Merkur

OMG. Ich habe ihn gesehen. Gestern. Nur kurz, aber es war wie ein Wasabi-Flash oder wie George Clooney auf der anderen Straßenseite, also bevor er sich verlobt hat. Das Bühnenbild ist berauschend: Ein tief türkisfarbener Abendhimmel mit einem goldroten Rest von untergegangener Sonne. Der strahlende Jupiter in Augenhöhe und plötzlich: Da blitzt er! Da ist er! Da! Merkur. Der Kleinste, Schnellste, Sonnennächste mit einem Orbit von höchster elliptischer Exzentrizität. Ich liebe ihn. Kann meinen Blick nicht von ihm wenden. Hüpfe vor Begeisterung auf dem elastischen Holz meiner Aussichtsterrasse herum. Eine schnelle Bewegung am Himmel – und weg ist er.

ImageDie Glückshormone diffundieren und mein Gehirn fragt mich was die ganze Aufregung soll. Was ich mit Merkur zu schaffen habe. Einem zu heißen bzw. zu kalten und zu dichten Gesteinsplanet. Einem Eisenbrocken, den Jupiters Schwerkraft jederzeit aus seiner Umlaufbahn herausreißen, aus dem Sonnensystem heraus oder gar in die Sonne hinein schleudern könnte. Der mit der Venus oder mit uns, der Erde, kollidieren und uns alle auslöschen könnte.

Kann ein Gehirn eifersüchtig auf einen Himmelskörper sein? Klingt schon ein bisschen danach, oder. Wozu sonst diese brutale Wortwahl und die zerstörerischen Szenarien. Was mein Gehirn noch nicht weiß: Ich werde ihn jetzt jeden Abend treffen, auf die Schnelle, auf einen Kick. Merkur. Bis er sich wieder meinem Blick entzieht.

 

Entdeckung II

ImageGeschichten sind im Nachhinein oft ganz anders. Es ist ja jetzt (endlich) klar, dass nicht Kolumbus Amerika entdeckt hat, sondern wer? Die Wikinger. Werden alle Straßen, Plätze und Universitäten umbenannt? Nein. Wer war als erstes und einziges auf dem Mond? Die Besten, die Größten, die Lautesten. Wir sind so gutgläubig. Glauben denen die sagen sie haben Recht oder glauben denen die wir lieben. Was haben uns unsere Eltern alles erzählt. Das Blaue vom Himmel. Und unsere Geliebten. In der Phase der rosa Wolken. Das angenehme Schweben im Halbwissen bis wir auf die Erde stürzen. Woher sollen wir auch wissen was wahr ist? Wir können nur glauben.

Ich zum Beispiel glaube unerschütterlich an das Gute, auch wenn ich mit dieser vorgelagerten Naivität öfters auf die Nase falle. Mit das Gute meine ich das was mir gut tut, haha, also richtig gut. Wie ein Spürhund am Gepäck auf dem Flughafen nach Drogen schnüffelt vertraue ich meinem Riecher. Ich bin immer in Bewegung. Das Dope kommt ja auch nicht zum Hund, er muss es schon finden. Habe ich das Gute einmal entdeckt ist es das Glück auf Erden. Unterschiedlich lang aber immer ein Erlebnis, das im Nachhinein ruhig anders erzählt werden kann. Der Augenblick zählt. Für den Hund der Knochen.