Känguru

In einem meiner früheren Leben war ich wohl ein Känguru. Anders kann ich mir mein Vergnügen am Hüpfen nicht erklären. Mein Innenraum ist locker wie frische Erde, mein Herz ist euphorisch, so kenne ich es gar nicht. Aber ich glaube ich weiß woran das liegt. Vorher brauchte es enorm starke Impulse um in Bewegung zu geraten. Sowas wie glühende Zaunpfähle, Ansagen über Lautsprecher, blutige Piekser von dornigem Gebüsch oder schmerzende Schnitte im Schilfgras. Jetzt schaukelt es mit grandioser Erinnerung an das australische Outback auf und nieder. Immer wieder. Wie auf Watte. Kam ich mir gestern noch vor wie ein seltsamer Vogel, der mühsam mit den Flügeln schlägt und sich des Gelächters der anderen sicher war, fühle ich mich heute wie ein leichtfüßiges Beuteltier. Das Bild muss stimmen. Und der Kontakt zum Boden. Was ich noch üben muss und was mit einem stationären Trampolin nicht so gut gelingt ist das Zurücklegen von Strecke. Denn eine innere Stimmer ruft unentwegt: weiter!

Fluss in Flammen

ImageAuf dem falschen Partyschiff getanzt, ich hätte das mit den roten Lampions nehmen sollen, da war die Musik auch mindestens zwei Jahrzehnte jünger. Die lärmenden Schrottkisten fahren von einem Flammenmeer ins nächste und was von innen nicht rostet verbrennt jetzt von außen. Einmal zu lange die Augen geschlossen und ich bin in einem Traum gefangen, der mich aufs Meer führt und von da gibt es nichts Größeres mehr als den Himmel und danach das Universum. Hinaus will ich immer, auch über das Ziel hinaus. Das Meer ist ungewohnt ruhig, sanfte Wellen und tiefes Blau. Es wiegt mich in seinen Armen, mich, die nicht gewogen werden will. Seine Oberfläche ist wie ein Spiegel und ich sehe Sachen, die gar nicht da sind. Meisterin der Projektion. Verächterin falscher Selbstbilder. Wach auf sagt mein Gehirn, du bist nicht auf dem Meer, wir sind auf dem Fluss und wir feiern. Raketen steigen und explodieren. Diesen Moment friere ich ein.

 

 

Flugversuche

Mein neues Sportgerät ist ein Trampolin. Aus einer spontanen Laune heraus kaufe ich es meinem Nachbarn ab und hüpfe darauf herum. Zehn Minuten kontinuierliches Springen kommen mir vor wie eine Ewigkeit. Vielleicht auch weil die Sprungfedern so quietschen, da müsste mal Öl zwischen. Wenn ich beim Hüpfen die Arme auf- und abschwinge, komme ich mir vor wie ein junger Vogel, der im Nest erste Flugversuche macht. Ich spüre tatsächlich so etwas wie einen Auftrieb, ganz kurz, nur Sekundenbruchteile, aber das macht so Lust aufs Abheben wie es wohl nur Vögel fühlen. Aus welcher Entwicklungsstufe kommt dieser Spaß auf einer elastischen Unterlage zu hüpfen? Wahrscheinlich ist er gar nicht an mein irdisches Dasein geknüpft, sondern ein Relikt aus der Schwerelosigkeit, als ich als munteres Teilchen vom Mars oder Mond unterwegs war und nur zurzeit in diesem Körper stecke, was sich in absehbarer Zeit auch wieder ändern wird.

wir sind was wir tun

Glaubt man der Hirnforschung sind wir zu mindestens zwei Dritteln das was wir tun, danach kommt wie wir aussehen und ganz am Ende was wir denken, sprechen und schreiben. Haha, soviel zu zwischenmenschlicher Kommunikation, insbesondere virtueller. Dann erzähle ich jetzt mal was ich gestern gemacht habe: Ich bin gegen einen Pfosten gelaufen! Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ein Veilchen, ja ein blaues Auge. Nur ein kleines, aber immerhin. Zu was macht mich das? Zu einer Idiotin, die nicht guckt wo sie hinläuft? Das Beste: der Pfosten ist in meiner Wohnung, ich kenne ihn also. Ich tröste mich wie ich kleine Kinder tröste: böser Pfosten, hat sich einfach in meinen Weg gestellt.

 

 

It-brain

Imageuni oder no sex? Eine gute Entscheidung, dem Gehirn kein männliches oder weibliches grammatikalisches Geschlecht zu geben (wer auch immer sie getroffen hat). Es bleibt es. Genauso das Herz und das Blut. Alle anderen lebenswichtigen Organe sind weiblich oder männlich, jedenfalls in deutsch. Ein wenig ärgert sich mein Gehirn schon darüber, denn es ist eine Diva und fast ausschließlich mit sich selbst und seiner Selbstdarstellung beschäftigt ohne irgendwie mit seiner geschlechtlichen Identität in Konflikt zu geraten. Es denkt wahrscheinlich genauso wie ich von sich selbst in der Ich-Form und kümmert sich nicht um Zuschreibungen von außen. Wenn es mich provozieren will füttert es mich mit stereotypen Stammtischsprüchen. Vielleicht sind das auch nur Tests, ob ich an meinen Mustervorlagen festhalte oder ob mal wieder ein intellektuelles Update fällig ist. Ich glaube es liebt diese Ausflüge in sein chaotisches Archiv und dort jedes Mal etwas zu verändern, so dass nichts ist wie es vorher war.