Romeos Dorn

„Ist Lieb ein zartes Ding? Sie ist zu rauh, zu wild, zu tobend; und sie sticht wie Dorn.“ Romeo hat Recht. Rau wie rissiger Fels in den Bergen, grau von Wind und Wetter. Wild wie der Bach, der auf den Stein spritzt und eine Kuhle formt. Tobend wie der Sturm, der seinen Blitz hinein schlägt. Wie kann er alle diese Sachen aushalten auch wenn sie nur Bilder sind. Ich kenne diesen Romeo. Er stirbt, weil er das Regelwerk verletzt.

RomeoZuerst wünscht er sich die Liebe wäre der wilde Bach, der über den rauen Fels ins Tal stürzt und dann sanft in einen trägen Fluss fließt bis ins Meer. Im Meer liegt er auf dem Rücken, im Salz des Wassers wogt er auf und ab wie eine Flaschenpost, die noch niemand gelesen hat. Vom Heimathafen träumt er. Auch vom nächsten Sturm. Das gleichmäßige Wogen und Wiegen ist nicht sein Ding. Sein Wunsch nach Ankommen ist ein Witz.

Wenn er ehrlich ist wünscht er sich viel mehr, er könnte seine eigene Nachricht lesen. Eingerollt und mit rotem Faden gebunden verbirgt sie sich vor ihm. Wahrscheinlich ist sie so banal, dass er so was von enttäuscht wäre, würde er ihretwegen aus dem Strudel gefischt. Die Fantasie ist immer fesselnder als die Realität, der Widerstand gegen das Unbekannte aufregender als Tatsachen zu diskutieren. Fehlt noch der Dorn. Der sitzt wie ein Stachel in seinem Fleisch und treibt ihn an. Direkt ins Verderben.

es geht so

Große Geschichten gehen über die Suche. Nach Glück, Gold oder einem Gegenüber, das geliebt oder getötet werden soll. Das Gesuchte selbst ist zunächst gar nicht so wichtig. Die Geschichte wie ich dort hin komme ist wichtig. Gestern sehe ich eine Frau die ist so bleich als hätte sie ein Gespenst gesehen. Ich kenne sie aus den Geschäften und frage sie ob es ihr gut geht. Sie sagt es geht so und erzählt mir ihr Geheimnis.

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Vor langer Zeit, vor über zwanzig Jahren, verliebt sie sich Hals über Kopf in einen der nicht frei ist. Einem, dem sie ihr Herz schenkt, der aber nur halbherzig zu ihr kommt. Der immer wieder geht wenn es am schönsten ist. Bis er eines Tages ganz weg bleibt. Sie weint bittere Tränen und klammert sich an ihre Bettpfosten damit ihre Träume sie nicht ins Nirgendwo schleudern. Tapfer schlägt sie sich täglich durch ihr Leben. Die Stunden schleichen wie halbe Ewigkeiten und die Nächte sind schwarze Unendlichkeit.

Dann spürt sie wie sich ein Kind in ihr regt. Das Kind gibt ihr Trost, auch wenn es so aussieht wie er. Das Glück, das sie sucht, findet sie nicht. Läuft sie neben ihrem Sohn durch die Straßen kommt es ihr vor als mache sich das Schicksal über sie lustig. Als führe es sie unaufhaltsam auf eine Wiederholung des schmerzlichsten Abschieds ihres Lebens zu. Denn er wird gehen so wie alle Kinder irgendwann gehen. Sie wird wieder allein sein und sich fragen warum alles so geschehen ist.

Die Frau seufzt. Mit jedem Tag, der vergeht verliert sie mehr Farbe. Als würde das Licht es aufgeben sich an ihr zu brechen. Bald wird sie unsichtbar sein und ich weiß nicht wie es dann weiter geht. Ohne Drama oder Happy End läuft diese Geschichte einfach aus.

Nicht schlecht Herr Specht

Erst auf den zweiten Blick offenbart sich, welche Akrobatik dieser Vogel einsetzt, um an seine Beute zu kommen. Kopfüber. Kreativ. Wo er doch sonst nach Spechtart so lange klopft und hämmert, bis der Wurm genervt heraus kriecht.

herrspecht

Dieses wunderbare Foto hat ein Freund von mir gemacht und ich habe es einem meiner Themen gewidmet: Kreativ Probleme lösen. Für Menschen gibt es weltweit über 100 verschiedene Kreativitätstechniken, am bekanntesten dürfte Brainstorming sein. Es sind Methoden zur Förderung vonKreativität und gezieltem Erzeugen neuer Ideen, um Visionen zu entwickeln oder Probleme zu lösen. In Wirtschaft, Politik und in der Bildung werden dafür gezielt Innovationsworkshops und Innovationsprojekte durchgeführt.

Kreativität findet in einer komplexen Interaktion von Begabung, Wissen, Können, Motivation, Persönlichkeitseigenschaften und Umgebungsbedingungen statt, d.h. in der Regel ist hier ein Team an der Arbeit. Mit welchen Methoden kann ein hoher Output von Ideen produziert werden? Wie können die Ergebnisse genutzt werden und wer entscheidet am Ende über die Umsetzung? Einiges an Originalität und Einfallsreichtum gibt es auch im Tierreich zu entdecken – warum nicht einmal das Untypische ausprobieren?

Reblog from my website PROFIL.GLANZ.PERFORMANCE. May 27, 2104.

Merkur

OMG. Ich habe ihn gesehen. Gestern. Nur kurz, aber es war wie ein Wasabi-Flash oder wie George Clooney auf der anderen Straßenseite, also bevor er sich verlobt hat. Das Bühnenbild ist berauschend: Ein tief türkisfarbener Abendhimmel mit einem goldroten Rest von untergegangener Sonne. Der strahlende Jupiter in Augenhöhe und plötzlich: Da blitzt er! Da ist er! Da! Merkur. Der Kleinste, Schnellste, Sonnennächste mit einem Orbit von höchster elliptischer Exzentrizität. Ich liebe ihn. Kann meinen Blick nicht von ihm wenden. Hüpfe vor Begeisterung auf dem elastischen Holz meiner Aussichtsterrasse herum. Eine schnelle Bewegung am Himmel – und weg ist er.

ImageDie Glückshormone diffundieren und mein Gehirn fragt mich was die ganze Aufregung soll. Was ich mit Merkur zu schaffen habe. Einem zu heißen bzw. zu kalten und zu dichten Gesteinsplanet. Einem Eisenbrocken, den Jupiters Schwerkraft jederzeit aus seiner Umlaufbahn herausreißen, aus dem Sonnensystem heraus oder gar in die Sonne hinein schleudern könnte. Der mit der Venus oder mit uns, der Erde, kollidieren und uns alle auslöschen könnte.

Kann ein Gehirn eifersüchtig auf einen Himmelskörper sein? Klingt schon ein bisschen danach, oder. Wozu sonst diese brutale Wortwahl und die zerstörerischen Szenarien. Was mein Gehirn noch nicht weiß: Ich werde ihn jetzt jeden Abend treffen, auf die Schnelle, auf einen Kick. Merkur. Bis er sich wieder meinem Blick entzieht.

 

Freak

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Das Wasser wird wärmer. Schon 18 Grad. Waren vor ein paar Tagen nur einige Kaltwasserfans schwimmen, sind es nun einige mehr. Wir müssen schauen dass wir nicht aneinanderstoßen und schön ordentlich die Bahnen ziehen. Immer wieder bricht einer aus und lacht. Will Runden schwimmen und tauchen, Freak. Das ist der Jagdtrieb.

Der ist außerdem total ansteckend, auch wenn es hier keinen einzigen Fisch zu fangen gibt. Kaum dreht einer nach unten ab zischen die anderen hinterher, ich auch. Wie fette Vögel durch die Luft, aber eleganter, weil hier haben wir ja den Schwereloseffekt. Da gibt es keine ruckartigen Fallrückzieher. Nur weiche Windungen mit geschmeidigen Körpern. Der Bademeister kommt mit einem Eimer Ködern. Was glaubt der denn. Wir sind doch nicht im Zoo. Unsereins geht an den Kiosk und kauft sich ein Magnum Mandel. Das knackt schön, wie Gräten.