Romeos Dorn

„Ist Lieb ein zartes Ding? Sie ist zu rauh, zu wild, zu tobend; und sie sticht wie Dorn.“ Romeo hat Recht. Rau wie rissiger Fels in den Bergen, grau von Wind und Wetter. Wild wie der Bach, der auf den Stein spritzt und eine Kuhle formt. Tobend wie der Sturm, der seinen Blitz hinein schlägt. Wie kann er alle diese Sachen aushalten auch wenn sie nur Bilder sind. Ich kenne diesen Romeo. Er stirbt, weil er das Regelwerk verletzt.

RomeoZuerst wünscht er sich die Liebe wäre der wilde Bach, der über den rauen Fels ins Tal stürzt und dann sanft in einen trägen Fluss fließt bis ins Meer. Im Meer liegt er auf dem Rücken, im Salz des Wassers wogt er auf und ab wie eine Flaschenpost, die noch niemand gelesen hat. Vom Heimathafen träumt er. Auch vom nächsten Sturm. Das gleichmäßige Wogen und Wiegen ist nicht sein Ding. Sein Wunsch nach Ankommen ist ein Witz.

Wenn er ehrlich ist wünscht er sich viel mehr, er könnte seine eigene Nachricht lesen. Eingerollt und mit rotem Faden gebunden verbirgt sie sich vor ihm. Wahrscheinlich ist sie so banal, dass er so was von enttäuscht wäre, würde er ihretwegen aus dem Strudel gefischt. Die Fantasie ist immer fesselnder als die Realität, der Widerstand gegen das Unbekannte aufregender als Tatsachen zu diskutieren. Fehlt noch der Dorn. Der sitzt wie ein Stachel in seinem Fleisch und treibt ihn an. Direkt ins Verderben.

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