Nichts tun

nixtun

Meine Lieblingshelden tun nichts. Die meiste Zeit sitzen sie während sie verrinnt ohne Antihelden zu werden. Sie konzentrieren sich entweder auf den einen Moment, in dem ihre Tat eine Rolle spielt oder sie hängen stilvoll herum. Etwa in schicken Anzügen wie in den Jim Jarmusch Filmen. Oder sie kochen sich einfache Nudelgerichte wie in den Haruki Murakami Romanen. Ihre Befindlichkeit erfahren wir über ihren Gesichtsausdruck, ihre Körpersprache und ihren täglichen (Nicht-) Kontakte und sie rangiert in der Regel im schmalen Korridor von greisenhafter Genügsamkeit bis hin zu gähnender Langeweile. Aus der Langeweile gewinnen sie eine fast künstlerische Existenz. Schatten wandern an der Wand, Straßengeräusche dringen in den Raum, Kinderstimmen aus den Nachbarwohnungen. Nichts von dem hat mit dem Heldenleben zu tun. Sie warten auf den richtigen Moment weil sie einen Plan haben in dem der richtige Moment eine wichtige Rolle spielt. Der Plan ist wichtig, er ist sorgfältig ausgedacht und enthält neben den Hauptelementen auch einen Plan B.

Manche Heldengeschichten spielen sich nur in den Köpfen der Helden ab oder ich kann als Rezeptorin nicht erkennen ob sie Fantasie oder Realität sind. Mir ist das sowieso egal, weil ich finde die besten Geschichten finden in unserer Vorstellung (!) statt und die Wirklichkeit gibt es als solche sowieso nicht. Projektion und Interpretation sind immer dabei. Also sitze ich und warte ich. Schaue auf die dunkler werdende Wand. Habe einen Plan im Kopf. Warte auf die Wendung. Mein Kleid ist violett. Meine Schuhspitzen schwarz. Poliert. Glänzend. Später ist es dunkel und ich frage mich ob ich überhaupt eine Heldin bin. Es ist sehr schwer nicht zu tun und sich trotzdem zu konzentrieren. Dies ist schließlich keine Meditation. Nicht in diesen coolen Klamotten. Für dieses Szenario wäre mir ein Ambiente in einer Bar lieber. Allein auf einem Hocker, die Beine übereinandergeschlagen, Eiswürfel im Glas und Loungemusik aus unsichtbaren Boxen. Das klingt gut. Das kriege ich auch in meinem Plan noch unter ohne auf B zu wechseln. Ich schnappe mir meinen Trench und schließe mit einem Lächeln die Haustür hinter mir.

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