Winken wie die Queen

Queen of England Portrait

Der Nachmittag flimmert in den Abend. Wir atmen Mückenschwärme ein, verscheuchen wilde Wespen, sehen Kakerlaken am Hausputz knabbern und Fliegen fliegen. Das faulige Obst tropft süß auf den Boden. Der Spätsommer kocht saftige Suppe und presst das Leben aus den Leibern. Wir lecken es auf. Ein Überfluss an Süßem. Das Zuviel an Zucker, das sich in Fett wandelt für den Winter. Fette Welt.

Auf der anderen Straßenseite magere Welt. Dürre im Vorgarten. Gibt es hier kein Wasser oder wer kümmert sich eigentlich? Habe ich einen Garten, dann muss ich auch gießen. Ein Zettel im Briefkasten von der besorgten Nachbarschaft. Worum sorgt sie sich? Dass die Dürre doof aussieht oder dass ein Mangel herrscht? Zwischen den Zeilen ist das Doofe. Es ist doch nur ein Vorgarten, ein Stück Land an der Straße. Der richtige Garten ist hinten mit Tomaten, Stangenbohnen und Zwiebeln. Die werden gegossen und gegessen. Von einer Familie, die sich nicht um den Vorgarten oder um ihr Ansehen schert. Aber arglos ist hier niemand. Immer liegt etwas Uneinschätzbares, tendenziell Bedrohliches in der Luft.

Unsere zwei Welten werden nur von einer Straße getrennt. Wir winken manchmal hinüber, aber nie winkt jemand zurück. Wir blicken mit dem, sie gegen das Licht. Vielleicht sehen sie uns gar nicht. Wir winken nicht aus niedrigen Beweggründen oder unseres Gewissens wegen. Wir wollen auch kein Gemüse. Unser Winken ist nur eine Kontaktaufnahme. Oder ein Abstandhalten. So könnte man das auch sehen. Winken wie die Queen.

 

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