Pflanzen filmen

 Noch lieber als Tiere filme ich Pflanzen. Sie haben den Vorteil, dass sie nicht weglaufen, herumzappeln, beißen oder stechen, wenn man sich ihnen nähert.

Auch seltene Pflanzengesellschaften sind mittlerweile daran gewöhnt, dass man sie vor die Linse nimmt. Meistens von der Fotografie. Ich liebe diese Bilder.

Für den Film haben Blumen, Bäume und das gängige Grünzeug allerdings den Nachteil, dass sie oft zu groß sind oder zu unbewegt. Wer will schon einen Film von einem Kaktus machen/sehen, der bewegungslos in der Wüste steht. Nicht einmal Zeitrafferaufnahmen können da viel rausholen. Ein wenig wechselnde Helligkeit weil sich der Sonnenstand verändert, das ist alles. In der heimischen Flora sind es Koniferen, die kein Flair haben, außerdem riechen sie unangenehm und ich will schnell weiter, bevor mich der Duft von Friedhof umweht.

Pflanzen verändern in der Regel nicht ihre Position, ich kann sie nicht stellen, ins rechte Licht zum Beispiel. Das mit dem Fluchtpunkt ist auch nicht so einfach. Sie machen keine lustigen Dinge wie herumtollen oder summen. Ich muss sie nehmen wie sie sind, wenn ich nicht ewig darauf warten will, dass der Wind von der anderen Seite kommt oder sich endlich der Himmel klärt. Passionierte Filmerinnen machen das. Sie sitzen in der Hecke und warten auf Regen, weil die Tropfen zwischen 18 und 18.45 Uhr das Licht auf optimal prismatische Weise spiegeln. Da sind dann kleine Regenbogen, Sternenglanz- und Sonneneruptionsminiaturen auf dem Film. Dafür lohnt es sich. Da ist nichts manipuliert. Alles natürliche Tricks. Geschulte Guckerinnen wissen das, taggen mit #allnatural und drücken gefällt mir.

Supernova

flash

Ich beobachte den Nachthimmel und folge Dark Sky Bloggern auf der Suche nach Supernovae. Im Sommer schlafe ich suboptimal unter den rotierenden Sternbildern. Sehe meistens nur Satelliten. Würde sich das Restlicht einer längst vergangenen Explosion nähern würden mich die Richtigen informieren, die Himmelskundigen, Astronomen, Nachteulen. Populäre Phänomene interessieren mich. Was aber wirklich turnt ist die Wiederholung, der Zyklus, die Endlosschleife. Sie sind nur scheinbar harmlos und haben den gleichen Effekt wie die Sensation. Sie folgen dem Grundprinzip der Entropie und dehnen sich immer weiter aus. Denken wir also wir nähern uns stimmt genau das Gegenteil. Wir entfernen uns. Voneinander. Je länger desto fremder. Glänzend. Glatt. Galaktisch.

Meine Wechselwirkung mit der Welt ist eine körperliche, elementar und aufreibend. Meine Füße im Sand von Wasser umspült mein Kopf in den Wolken unter dem Kosmos. Was für ein Wirbel. Was für ein Klischee. Zusammenhänge wo der Zufall regiert. Sinn wo keiner ist. Theorie, unbewiesen. Ein Modell für die Liebe. Ohne Beweis, einfach da. Großartig. Supersymmetrisch. Physikalische Freiheit, die über die vierdimensionale Raumzeit hinausgeht. Energie, dunkel und voller Schub. Formvollendet. Materie vom Feinsten. Supernova.

Nichts tun

nixtun

Meine Lieblingshelden tun nichts. Die meiste Zeit sitzen sie während sie verrinnt ohne Antihelden zu werden. Sie konzentrieren sich entweder auf den einen Moment, in dem ihre Tat eine Rolle spielt oder sie hängen stilvoll herum. Etwa in schicken Anzügen wie in den Jim Jarmusch Filmen. Oder sie kochen sich einfache Nudelgerichte wie in den Haruki Murakami Romanen. Ihre Befindlichkeit erfahren wir über ihren Gesichtsausdruck, ihre Körpersprache und ihren täglichen (Nicht-) Kontakte und sie rangiert in der Regel im schmalen Korridor von greisenhafter Genügsamkeit bis hin zu gähnender Langeweile. Aus der Langeweile gewinnen sie eine fast künstlerische Existenz. Schatten wandern an der Wand, Straßengeräusche dringen in den Raum, Kinderstimmen aus den Nachbarwohnungen. Nichts von dem hat mit dem Heldenleben zu tun. Sie warten auf den richtigen Moment weil sie einen Plan haben in dem der richtige Moment eine wichtige Rolle spielt. Der Plan ist wichtig, er ist sorgfältig ausgedacht und enthält neben den Hauptelementen auch einen Plan B.

Manche Heldengeschichten spielen sich nur in den Köpfen der Helden ab oder ich kann als Rezeptorin nicht erkennen ob sie Fantasie oder Realität sind. Mir ist das sowieso egal, weil ich finde die besten Geschichten finden in unserer Vorstellung (!) statt und die Wirklichkeit gibt es als solche sowieso nicht. Projektion und Interpretation sind immer dabei. Also sitze ich und warte ich. Schaue auf die dunkler werdende Wand. Habe einen Plan im Kopf. Warte auf die Wendung. Mein Kleid ist violett. Meine Schuhspitzen schwarz. Poliert. Glänzend. Später ist es dunkel und ich frage mich ob ich überhaupt eine Heldin bin. Es ist sehr schwer nicht zu tun und sich trotzdem zu konzentrieren. Dies ist schließlich keine Meditation. Nicht in diesen coolen Klamotten. Für dieses Szenario wäre mir ein Ambiente in einer Bar lieber. Allein auf einem Hocker, die Beine übereinandergeschlagen, Eiswürfel im Glas und Loungemusik aus unsichtbaren Boxen. Das klingt gut. Das kriege ich auch in meinem Plan noch unter ohne auf B zu wechseln. Ich schnappe mir meinen Trench und schließe mit einem Lächeln die Haustür hinter mir.

betörend

betörend

Scheißblumen. Ihr Geruch kitzelt in meiner Nase, dann kriecht er in die Augen, verflüssigt sich auf fiese Weise in eine ätzende Rotumrandung und verzieht sich. Was ist fragt eine hochmotivierte Problemlösungsfrau. Es sind nur die Blumen sage ich. Es sind nie nur die Blumen sagt sie. Von wem sind die überhaupt. Sind schön. Ja Lilien. Betörend. Haben nix zu bedeuten. Liegen oft auf Gräbern und verwelken. Draußen drängt sich der Duft nicht auf. Also von wem. Von einem von dem ich keine will. Ach so bist du sicher. Mein glühender Blick tut weh. Ich weiß ja wohl von wem ich gerne Blumen hätte. Und welche. Ja genau. Welche denn. Rosa Buschrosen. Die duften auch aber angenehm ohne Nebenwirkungen. Früher haben wir sie in dicken Sträußen nachts im Park gepflückt. In den Sommerferien in Dänemark haben wir in ihrem Schutz in der Sonne gebadet. Uns ihre spitzen grünen Dornen aus der Haut gezogen. Ihre seidenen Blüten zwischen Daumen und Mittelfinger zerrieben.

Oh das scheinen sehr schöne Erinnerungen zu sein. Du willst wissen was da lief. Nun ja es reicht um diese Buschrosen für immer und ewig zur besten Blume aller Zeiten zu machen. Sie sind unpraktisch. Halten sich nur einen Tag. Ist dir diese Problemlage zu unakademisch. Die falschen Blumen von der falschen Person. Das ist alles. Es macht dich traurig jetzt mal abgesehen von der Allergie. Ja so wie mich Zwiebeln schneiden traurig macht. Es brennt. Weißt du sagt sie es wäre viel blöder wenn dir die falsche Person die richtigen Blumen schenkt. Dann wäre es klar dass deine olfaktorische Prägung deinem Blick ein Bein stellt. Du denkst wegen der Blumen an einen Wink des Schicksals gar an Magie und dann merkst du nicht mehr dass du komplett falsch liegst. Und was wenn dir die richtige Person die falschen Blumen schenkt. Soll das eine logische Schleife werden. Es wäre doch immerhin möglich. Dass diese Lilien richtig sind. Nein. Sind sie nicht.

wir drei

wirdrei

Elegant wie die Echse sich nicht bewegt. Verwegen wirkt sie. Anna blickt sie neidisch an. Eine Haut wie eine Tasche mit winzigen rosagrünen Applikationen. Wir müssen mindestens zweimal hinschauen um die wunderbare Arbeit äh das mondäne Muster wahrzunehmen. Sie ist so starr dass unsere beiden Gehirne an ihrer Echtheit zweifeln, sie flüstern uns parallel ein hey Mädels die Echse ist nicht echt. Der Witzbold von Parkwächter hat eine Plastikfigur in die Blätter gestellt um uns zu foppen. Wahrscheinlich wartet er nur darauf dass wir sie anfassen dann wankt er wie ein Wahnsinniger durch den künstlichen Dschungel und enthüllt seine getigerte Wäsche. Gerade als wir uns amüsiert zublinzeln wollen blinzelt die Echse. Eine waschechte Wasseragame. Wunderschön.

Meinst du ich kann sie anfassen. Mit ihren fleischig lackierten Fingernägeln nähert sich Anna den Stacheln des Tiers. Sie ist immer die Mutigere. Will den Leuten jetzt der Echse ans Innere. Die zeigt uns ihre rosa Zunge in ihrem rosa Maul, oh so zart und zerbrechlich, so zärtlich und zäh zugleich. Macht einfach den Mund auf. Anna ist mächtig stolz, ich eher andächtig. Wir wissen beide nicht was wir tun. Was will sie flüstert sie. Wer weiß das schon bei einem Monster, meistens ist es marode und menschlich nicht nachvollziehbar. Anna zieht eine winzige silberne Trinkflasche aus ihrer Tasche, ich einige Apfelstückchen. Ein Schluck ein Trick. Trester und tolle Erlebnisse die nachher als Traum durchgehen. Wir füttern das Vieh. Süß spritzt der Saft und die Säure. Wir drei. Sitzen hier in der Hitze.