Wieder im Käfig gelandet

KäfigGegen das Licht sieht sie aus wie eine schwarze Lilie. Schößchen aus Stoff in der Taille. Lange gerade Beine und hohe Stiefel wie Trinity in Matrix. Mindestens einsachtzig. Aber die tief stehende Sonne wirft lange Schatten. In Wahrheit und in der Nähe ist sie kaum größer als ich.

Wenn ich mich jetzt nicht irre, ist sie eine Figur aus der Vergangenheit und mein Film ist ein Traum. Ich hätte sie gerne als Freundin gehabt. Sie ist interessant und intelligent. Und schön. Schön wie ich das empfinde, also in dieser androgynen Art des Ausdrucks, in dem Zweifel keimen können wenn man sie zulässt. Ich habe keine. Hatte nie welche.

Als ich klein war bin ich fast gestorben, wenn mich eine andere Kleine abgelehnt hat. Plötzlich nicht mehr mit mir spielen wollte. Kommst du raus? Nein. Habe es nicht verstanden. Verstehe es bis heute nicht. Dieses spontane Sich Abwenden. Diese miese Tour sich über das gewonnene Vertrauen hinwegzusetzen. Ich kann das nicht verwinden. Oder überwinden. Nur den Schmerz fühlen, der sich ein Loch in die Gegenwart bohrt.

In der Nähe sehe ich ihren flackernden Blick. Sie ist nervös und versucht es zu verbergen. Sie ist gefangen in ihren mühevoll konstruierten Konventionen und weiß das, weil sie sich schon früher freiwillig in einen goldenen Käfig eingesperrt hat. Bis zum Ausbruch, der keiner war, sondern ein geordneter Auszug des Vögelchens, das so dringend seine Freiheit sucht und doch wieder im Käfig landet. Aus den Krallen zurück unter die Fittiche. Für eine Zeit, die kurz oder lange dauert. Aber enden wird. Im Käfig gekreuzigt für einen klitzekleinen Gegenwert.

Aber was weiß ich schon. Betrachte sie nur aus der Distanz. Bin nicht drin im Gewimmel. Kenne nicht die Gewissheit ganz dazu zu gehören. Will sie auch nicht. Manche G-Wörter machen mich schwach. Gewissheit. Geborgenheit. Gemeinsamkeit. Mache stark. Gerechtigkeit. Größe. Gier.

So sentimental. Meine Sinne unsicher was sie mir senden. Ich sehne mich. Soviel ist sicher. Nach einer Möglichkeit, deren Wahrscheinlichkeit ich nicht einschätzen kann. Wenn ich aufwache heißt das noch lange nicht, dass da kein Film mehr ist.

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6 thoughts on “Wieder im Käfig gelandet

  1. Wünsche einen glücklichen Dienstag noch im alten Jahr eine schöne Geschichte.Ich wünsche von Herzen ein gutes und Gesundes neue Jahr und alles liebe von mir lieber Gruß Gislinde

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